Oktober: Besorgte Bilder (bunt!)

2019-10-22 bündnis herne (4)Seit zwei Monaten laufen dienstäglich Besorgte Bürger durch die Herner Innenstadt, weil sie sich um die Sicherheit in Herne sorgen, und weil „eine Rentnerin, die ich kenne, weniger Geld kriegt als diese Flüchtlinge“.

Mittlerweile hat sich das Bündnis Herne gebildet. Privatleute, Kirchengemeinden, Parteimitglieder, die der Meinung sind, dass Besorgnis nicht unbedingt durch Hakenkreuz-Pullover ausgedrückt werden sollte. (Auch, wenn die Anwesenden Parteimitglieder sind, herrscht auf den Veranstaltungen selbst Überparteilichkeit und Flaggenabstinenz, damit jede*r willkommen ist!).

Jetzt findet jeden Dienstag eine kleine Hippieveranstaltung statt, die mit einem öffentlichen Gottesdienst an der Kreuzkirche beginnt und mit Musik, Kuchen und Demolauf auf dem Robert-Brauner-Platz weitergeht.

Mit dieser Entwicklung könnte es zusammenhängen, dass ich seit zwei Monaten versuche, soziale Medien zu meiden. Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstschutz vor zuviel Missinformation und Ausblenden der Tatsachen. Keine Besorgten Bürger interessiert es, dass ich schon lange vor den Flüchtlingen nicht alleine im Dunkeln an abgelegenen Orten herumlaufen sollte und Rentner damals auch nicht besser dran waren.

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Ich habe noch keinen Weg gefunden, wie ich mich in dieser Situation verhalten soll, also mache ich das einzige, was ich richtig gut kann. Meine RECHTE Hand ist (aus metaphorischen Gründen?) seit drei Jahren chronisch kaputt, also zeichne ich mit LINKS. Ich zeichne dienstäglich die Hippieversammlung, die gegen Gewalt und gegen Rassismus ist und das sind Grundwerte, auf die ich mich einlassen kann. Es ist schwer umzusetzen, aber leicht für mich, daran zu glauben. Ich zeichne die Fridays for Future, die seit über einem Jahr gewaltfrei an das Gewissen der Politik appellieren. Ich zeichne die Seebrücke, die die unfassbare Einstellung vertritt, dass wir Menschen in Seenot nicht ertrinken lassen sollten.

Und zwischendurch brauche ich eine Pause. Weil jetzt jeden Tag irgendwo eine Demo ist. Es ist scheiße, dass wir jeden Tag irgendwo eine Demo haben müssen. Es ist super, dass jeden Tag irgendwo sich genug Freiwillige zusammenfinden, die irgendetwas tun wollen. Das schwierige an diesen wöchentlichen Treffen ist, dass niemand weiß, wie lange wir das noch machen müssen, oder ob es irgendetwas bringen wird. Die Fridays zumindest haben genug Aufmerksamkeit für ihr Thema gewonnen, um Wahlen zu beeinflussen.

Was auch richtig, richtig gut ist für so persönliche Motivation: Babybäuche bemalen.

Außerdem habe ich meinen ersten Illustrationsauftrag, den ich komplett mit der linken Hand bestreiten werde, und das auch noch zum tollen Thema „Kinderrechte“:

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Linkliste

Bündnis Herne:  Termine, Infos und Fotos findet ihr auf Facebook und Instagram

Das Frollein (MUSIK!) hat für das Bündnis gesungen und gehört gehört zu werden: auf Bandcamp und Instagram

Seebrücke: www.seebruecke.org
Neben der offiziellen Seite sind regionale Seebrücken-Gruppen der einzelnen Städte auf der offiziellen Seite und zum Großteil auf Facebook und Instagram (und Youtube) zu finden.

Fridays For Future: www.fridaysforfuture.de
Auf der offiziellen Seite werden aktuelle Demotermine bekanntgegeben. Die meisten städtischen Gruppen sind auch auf Facebook und Instagram vertreten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Ableger für die „Großen“, also Fridays For Students, Parents oder Scientists. Das heißt aber nicht, dass sich irgendjemand von den freitäglichen Demos ausgeschlossen fühlen sollte, jede*r ist willkommen, egal, welche Altersgruppe oder Zugehörigkeit!

 

 

Juli: Die Baum-Zeit ist vorbei…

..fürs erste.
Ich habe jetzt den Fingerabdruck eines Baumes von Sonja Kreutzer über meinem Schreibtisch.

Vielen Dank Sonja und Dagmar, für die tolle Kunstkombination – an Anke und die Gruppe Elf Bochum, es war wieder ein kreatives Familientreffen – und natürlich an alle, die vorbeigeschaut haben! Eine Ausstellung ist immer, wie Eintritt in meinen Kopf zu gewähren.

Wie immer, wenn etwas endet, habe ich direkt zehn Ideen, wie es weitergehen könnte, und muss mich erstmal für eine entscheiden. Aber jetzt ist erstmal Sommer.

Shout Out For Future:

Dank euch gehen durch den Verkauf von drei meiner Demo-Zeichnungen jeweils eine kleine Spende an den NABU Herne und den Caritas-Verband Herne!

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AUSSTELLUNG: Baum und Zeit

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Ob wir in Städten oder auf dem Land aufwachsen, begleiten uns Wälder als Spielorte von Märchen, als gefährliche, wundersame Grenzwelten jenseits der Zivilisation. Gleichzeitig sind Wälder auch Zufluchtsorte für uns geworden, die Ruhe und Entspannung, Dauer und Beständigkeit bedeuten.
Illustratorin Vera Keitmeier, Holzbildhauerin Sonja Kreutzer und Kunstpädagogin Dagmar Reichel haben sich zusammengetan, um dem Baum in ihrer persönlichen Handschrift zu huldigen.
Wir möchten euch zur Ausstellungseröffnung am 12. Juli ins wunderbare Atelierhaus der Gruppe Elf einladen und freuen uns über alle, die uns in den darauffolgenden zwei Juliwochen besuchen kommen!

VERNISSAGE Freitag, 12. Juli, 18:00 Uhr, Gruppe Elf Bochum e.V., Velsstr. 19
AUSSTELLUNG vom 12. – 28. Juli 2019

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch 14-17 Uhr
Donnerstag 11-17 Uhr
Samstag 14-18 Uhr
Sonntag 14-18 Uhr
und gerne nach Vereinbarung!
An den Wochenenden ist mindestens eine Künstlerin anwesend.

KONTAKT
Vera Keitmeier: v.keitmeier@gmx.de
Sonja Kreutzer: mail@soniwood.com | www.soniwood.com
Dagmar Reichel: info@dagmarreichel.de | www.dagmarreichel.de

zur >> Facebook Veranstaltung

zur >> Gruppe Elf Bochum

April-Mai 2019: Zeichnen For Future

Keine Zeit mehr zum Bloggen, der Kinder wegen.
Es war noch einiges mehr in den letzten 2 Monaten, aber manchmal muss man sich einfach auf das wichtigste besinnen. Zum Beispiel auf den 26. Mai (ihr wisst, was da ist), und es zeigt sich bereits jetzt, das diese junge Bewegung einen wahnsinnigen Einfluss darauf hat. Was könnte ermutigender sein?

Notiz von der Karfreitags-Mahnwache am 19. April:

Heute haben sich Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und auch alte Menschen über 30 in Kleingruppen vor dem Bochumer Bahnhof zu einer Mahnwache zusammengesetzt und über Umweltschutz, Tierschutz, Rassismus, Unterrichtsgestaltung, ihre Utopie von der Zukunft und den Umgang mit wütenden Bürgern gesprochen.
Lieblingsbild, das ich heute nicht gezeichnet habe: eine ältere Dame mit Eis, die schreit „ICH UNTERSTÜTZE KEINE SCHULSCHWÄNZER“ und außerdem müsse sie als Rentnerin 5 Tage die Woche arbeiten, während ein Mahnwachenteilnehmer daneben in aller Seelenruhe einen Salatkopf isst.
Dass diese Wut sich systematisch nach unten, statt nach oben richtet, ist mir unbegreiflich. Eigentlich müsste sie mit uns bei der Mahnwache stehen.

Phantomina der Oper

 

 

Ich mache so viele Sachen nebenher, dass die Tatsache, dass ich 40 Stunden die Woche in einem Musiktheater verbringe, zur absoluten Selbstverständlichkeit wird. Dass ich es fast nie erwähne, hat weniger damit zu tun, dass es unwichtig ist, sondern dass dieser David Lynchige Ort mit einer neuen Parallelwelt hinter jeder Tür einfach meine Normalität ist, und so ganz unbemerkt und undramatisch in meine eigenen Bildwelten einfließen kann.

Februar 2019 – Zwischen Zeit

Diese Rückblicke sind wirklich praktisch, wenn ich mich wieder frage, wo eigentlich die letzten zwei Monate hin sind. Das Jahr des Schweins, Verschwörungstheorien, solidarische Städte, Typografie, Schussproben, Premieren und Recherchearbeit liefert zwar nicht viele vorzeigbare Bildergebnisse, trotzdem frisst sie jede Menge Zeit.

Ich habe außerdem das überregionale Seebrücke-Vernetzungstreffen in Bochum zeichnerisch begleitet. Dabei waren Vertreter zahlreicher Seebrücken der Umgebung, es wurden Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsame Aktionen geplant. Definitiv Mut machend zu sehen, dass man nicht alleine ist und dass es auch über Demonstrationen hinaus Handlungsmöglichkeiten gibt.

Es ging unter anderem auch darum, geflüchtete Menschen mehr in die Arbeit mit einzubeziehen, um nicht immer als Stellvertreter für sie zu sprechen, sondern sie selbst zu Wort kommen zu lassen. So wichtig es ist, dass sie sich ebenfalls in ehrenamtlichen Gruppen engagieren, so sehr haftet ihnen auch das Stigma des „Flüchtling“ an, das sie nicht mehr loswerden.

Es wird also auch Teil der Arbeit bleiben, unseren eigenen Umgang mit von Flucht und Rassismus betroffenen Menschen zu reflektieren.

Endprobenwochen im Theater sind immer sehr chaotisch und kurzweilig, und für Eugen Onegin am Musiktheater Gelsenkirchen durfte ich einmal mehr Bücher gestalten. Und für das Duell nach der Pause den Schuss abfeuern. Das ist immer ein surreales Erlebnis. Einerseits ist es während des Stückes ein Routine-Einsatz für die Requisite, so wie Gläser annehmen oder Konfetti werfen. Andererseits ist es merkwürdig, so ein potentiell gefährliches Objekt einfach ‚in Spiel‘ zu verwenden. Denn es wird ein richtiger Revolver mit Platzpatronen eingesetzt. Ich glaube, es ist ganz gut, dass ich die Arbeit damit nicht als selbstverständlich sehe.

Und ich habe das Instagram-Bildformat verlassen und mich an komplexere Bilder und Geschichten gewagt. Jetzt muss ich nur aushalten, dass Dinge nun länger brauchen, um fertig zu werden. Aber eine Art Deadline gibt es schon, denn im Juli steht eine Ausstellung an …

Kontakt Seebrücke mit Übersicht der Seebrücke-Städte: https://seebruecke.org/lokalgruppen/

Kontakt Seebrücke Bochum:

Lokalgruppe der Seebrücke
Instagram
Facebook

Dezember/Januar 2019 – Pause im Quadrat

Im Januar habe ich versucht, auf die Sozialen Medien zu verzichten, die ich am meisten nutze: Instagram und Facebook. Dass ich zwei dicke Bücher in der Zeit gelesen habe, mag mit am Internetverzicht liegen, spricht aber vor allem für die Qualität der Bücher.

Dezemberkunst

Was haben wir gelernt?

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht geahnt, aber erst der Verzicht hat gezeigt, wie sehr ich mich an ein direktes Feedback zu meinen Bilder gewöhnt habe. Wie befriedigend ein kleines „Like“ ist und wie unbewusst ich darauf warte, dass das nächste kommt.

Das Zeichnen findet in erster Linie im stillen Kämmerlein – oder im Stammcafé – statt, in erster Linie aber allein. Und da meine Zeit fürs private Zeichnen rar gesät ist, ist Feedback jeder Art eine große Motivation. Gerade eben habe ich meine Ergebnisse vom Januar gepostet und freue mich schon wieder über anonyme Aufmerksamkeit.

Natürlich war ich mir dieses Faktors auch schon vorher bewusst. Wir nutzen Soziale Medien, um gesehen zu werden, um uns auszutauschen, und ich habe fantastische Künstler über Das Böse Internet gefunden. Aber es beeinflusst durchaus auch die Art, wie ich zeichne. Die Instagrammifikation des Formats: Ich freue mich wahnsinnig, dass ich seit Oktober regelmäßig an kleinen Kurzgeschichten arbeite – und mein Skizzenbuch hat ein quadratisches Format, perfekt zum Einzelbilder-auf-Instagram-posten.

Es ist definitiv spannend, die Vorgaben eines digitalen Mediums zu nutzen, um eine bestimmte Art des Geschichtenerzählens zu entwickeln. Ich muss aber aufpassen, dass das Format nicht zu sehr den Inhalt vorgibt. Dadurch denke ich nämlich viel mehr über den Inhalt und den Blickfang eines einzelnen Bildes nach und lasse möglicherweise die Geschichte im Gesamten außer Acht.

Ich finde das Format weiterhin spannend und werde damit weiter experimentieren, aber nachdem ich nun einen Einstieg in das Kurzgeschichtenentwickeln gefunden habe, werde ich als nächstes versuchen, Bilder ruhen zu lassen, sie eventuell zu verändern und erst ein Storyboard zu entwickeln, bevor es an konkrete Bildumsetzungen geht.
Da laufe ich auf jeden Fall wieder Gefahr, Sachen unbeendet zu lassen – umfassende Geschichten zu planen ist anstrengender als Einzeleindrücke umzusetzen – aber vielleicht finde ich einen Mittelweg. On- und offline.

 

Oktober 2018. Ein Ende, ein Anfang

Es war ein spannender Monat, für mich ganz geprägt durch das Engagement der Seebrücke Bochum, und auf der anderen Seite das Fertigstellen eines persönlichen Projekts. Ich habe jeden Tag gezeichnet und der Flow hat noch nicht geendet.

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Im Oktober bin zu meinem ersten Seebrücke-Planungstreffen in Bochum gegangen.

Die Aktion Seebrücke ist in vielen Städten aktiv und wird von Zivilpersonen organisiert, die sich solidarisch zeigen mit den privaten Seenotrettern sowie Menschen auf der Flucht. In diesem Rahmen werden Demonstrationen, Aktionstage und das Herantragen des Anliegens an die Politik geplant und durchgeführt.

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Die Bochumer Truppe ist sehr engagiert und sympathisch und freut sich immer über Neuzugänge! Gerade, wenn man keine Ahnung hat, wie man sich einbringen kann, sollte man hingegen, es sind bereits Profis involviert, die mit der Planung solcher Solidaritätsaktionen vertraut sind. Helfende Hände können unterstützen beim Fahren, Sach- oder Geldspenden sammeln, Aktionen vorbereiten (durch Basteln, Technik bereitstellen/betreuen), Pressematerial schreiben… Ich selbst versorge die Gruppe von jetzt an mit Bildmaterial. Ein guter nächster Schritt, wenn man auf der Demo am Ende dasteht und auch fragt: Und jetzt?

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Die Seebrücke Seite findet ihr hier: www.seebrücke.org

Und die Bochumer Adresse hier: www.bochumer-buendnis.de/seebruecke

Das nächste Bochumer Treffen ist am 8. November um 19:00 im Botopia.Raum9, Griesenbruchstraße 9.

Es gibt wie gesagt auch viele andere Städte, die eine lokale Seebrücke- Abteilung haben. Die meisten von ihnen sind auch mit Gruppen und Seiten auf Facebook vertreten. Kommt vorbei!

Es war auch Inktober – ein Internetprojekt, bei dem jährlich im Oktober zu täglich wechselnden Begriffen gezeichnet wird. Ich habe diese Tradition letztes Jahr in den Leftober umgewandelt, um meine chronisch mit Tendinitis kämpfende rechte Hand zu schonen und meine linke Hand zu trainieren. Dieses Jahr habe ich das wieder gemacht, diesmal mit dem Plan, eine zusammenhängenden Geschichte zu erzählen.

Also habe ich jetzt eine fertige Geschichte.

Ich habe gar keine Worte, um die Wichtigkeit dieser Tatsache auszudrücken. Es ist fast ein Jahrzehnt vergangen, in dem ich, aus Gründen, nicht erzählen konnte. Ich wollte das Jahrzehnt nicht verstreichen lassen und es hat geklappt. Die Geschichte ist nicht perfekt, nicht durchdacht, aber sie Hauptsache ist, das sie fertig ist, dass ich hab etwas beendet habe.

Das gesamte Bildmaterial findet ihr auf meiner Instagram-Seite.

Das nächste Großprojekt: Ein richtiges Buch, mit Seiten aus Papier (tote Bäume!) zum Anfassen. Sein Name ist: „A Forest