Phantomina der Oper

 

 

Ich mache so viele Sachen nebenher, dass die Tatsache, dass ich 40 Stunden die Woche in einem Musiktheater verbringe, zur absoluten Selbstverständlichkeit wird. Dass ich es fast nie erwähne, hat weniger damit zu tun, dass es unwichtig ist, sondern dass dieser David Lynchige Ort mit einer neuen Parallelwelt hinter jeder Tür einfach meine Normalität ist, und so ganz unbemerkt und undramatisch in meine eigenen Bildwelten einfließen kann.

November 2018. Brücken

November: Viel passiert, was immer noch passiert.

Ich unterstütze die Bochumer Seebrücke, indem ich unsere offizielle Instagram-Seite betreue: www.instagram.com/seebrueckebochum

Eine gute Art, um sich mit Seebrücke-Organisationen in ganz Deutschland zu vernetzen. Wir posten dort regelmäßig Termine und Fotos und Infos unserer Treffen.

Ich habe angefangen, mich für die Seebrücke zu engagieren, als in den Medien begonnen wurde, zu debattieren, ob man ertrinkende Menschen überhaupt retten sollte. Die Antwort ist Ja. Egal, wie die Umstände sind, egal, wer rettet, egal, ob es illegal ist, wer rettet. Unsere gemeinsame menschliche Grundlage muss sein, einen Menschen nicht sterben zu lassen.

Ich habe einen mittelmäßig bezahlten Vollzeitjob, so wie viele, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren, und mir geht es so gut damit, dass ich einen Teil meiner Energie dazu verwenden will, Menschen zu helfen, denen es so scheiße geht, dass sie alles zurücklassen und sich auf lebensgefährliche Fluchtwege begeben. Was danach passiert, was mit ihnen passieren soll, wie die Fluchtursachen bekämpft werden sollen – ich weiß es nicht, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, diese Probleme zu lösen. Ich glaube aber, dass man in so einer Situation Stellung beziehen muss. Meine Haltung ist so simpel wie grundsätzlich. Nicht sterben lassen.

Jetzt hab ich doch den ein oder anderen Satz mehr dazu gesagt. Kommt rum, es gibt mittlerweile Seebrücken in Duisburg, Dortmund, Bochum, wir in Bochum haben Anträge in Ratssitzungen eingebracht, wir werden ab nächstem Jahr ein regelmäßiges Treffen haben. Jede/r tut, was und soviel ihm/ihr möglich ist.

Facebook-Seite: www.facebook.com/seebrueckebochum

Was noch:

Ich hatte meine erste Premiere am Musiktheater Gelsenkirchen. Also na gut, ich war pünktlich zur Premiere krank, aber mein Pop Up Märchenbuch und die Mary Poppins Tasche hatten Premiere.

Und nachdem ich im Oktober jeden Tag gezeichnet habe, habe ich im November einfach weitergemacht. Ich will es nicht verhexen, aber ich habe schon wieder was beendet, und das mach ich jetzt, glaube ich, einfach öfter.

Mehr zu sehen hier: www.instagram.com/mumpitzhausen

September 2018. Bücher, Blumen, Bäume

Der September ging schnell vorbei für mich – ich habe ihn hauptsächlich in der Requisite des Musiktheaters Gelsenkirchen verbracht, wo ich eine Weiterbildung mache: In zwei Jahren bin ich dann ganz offiziell auch auf dem Papier Requisiteurin.

Zu Beginn meines Volontariats im Musiktheater habe ich auch mir auch direkt das Märchenbuch geschnappt, das wir selber herstellen. Es soll als Pop Up Element eine erblühende und eine verdorrte Blume enthalten. Den Blindtext für das Buch habe ich im Kalligraphie-Wahn direkt mit dazu erfunden.

Als Requisiteurin muss man sich klar darüber sein, dass die Arbeit eines Monats nur von den Schauspielern auf der Bühne gesehen wird – oder letzten Endes vielleicht gar nicht im Stück auftaucht. Aber das Endprodukt ist nur eine Seite der Medaille. Ich bin ganz für den Herstellungsprozess und tauche da gerade total drin ein, und vielleicht ist es ja irgendwann auch noch für etwas anderes gut.

PAPPEL-LA-PAPP

Außerdem war im September die wunderbare PAPPEL-LA-PAPP-Ausstellung bei Soniwood. Sonja Kreutzer hat sich und 12 Künstler*innen mit Pappelscheiben zum künstlerischen Bearbeiten ausgestattet. Die Gemeinsamkeit aller Scheiben ist wohl, dass alle Künstler von Beginn an sehr viel Respekt vor den Scheiben hatten und sie bereits in roher Form als Kunstwerk wahrgenommen haben. Umso schöner ist dir Vielfalt, die daraus entstanden ist, und wie die Baumringe, die Holzstruktur, der natürliche Riss und die Form mit in die Werke eingeflossen sind.

Ich hatte ein halbes Jahr lang zuviel Respekt, um die Scheibe anzurühren.
Idealerweise hat man erst eine Idee und sucht sich dann das Material, um sie umzusetzen. In diesem Fall trat die Baumscheibe zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben, als ich als Requisiteurin im Schauspielhaus Bochum das Märchen „Grimmsklang“ betreuen durfte. Dafür haben auch die Mitglieder des Jungen Schauspielhauses mit Grundschülern über Märchen unterhalten und daraus ein Episodenstück aus diversen Grimm’schen Märchen entwickelt.

Die Kinder fanden es nämlich gar nicht so toll, dass Prinzessinnen immer lieb und brav sein und gerettet werden müssen, dass alte weise Frauen als Hexen verbrannt werden und Wölfe einen so schlechten Ruf haben. Märchen wachsen mit der Zeit, verändern sich mit ihren Rezipienten, werden überschrieben und angepasst und weitergegeben. Welch passenderes, symbolischer es Material hätte ich nutzen können, um das Märchen von „Gevatter Tod“ in die Jahresringe eines Baumes einzuschreiben.

 

Fast vergessen hätte ich, dass die #WirSindMehr-Demo ja auch im September war. Wenn ich es schaffe, werde ich am zum nächsten Treffen der Seebrücke Bochum gehen, um herauszufinden, was man noch tun kann, außer bunte Bilder und flauschige Hashtags zu verbreiten. Wenn ich nicht kann, müsst ihr für mich gehen:

Di, 16. Oktober, 19 Uhr, Botopia, Raum 9, Griesenbruchstr. 9, 44793 Bochum (Facebook-Veranstaltung)

 

 

Bühnen.Bilder

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Etwa einen Monat nach meinem letzten Blog-Eintrag hier bekam ich die Möglichkeit, meinen Job in der Requisite im Schauspielhaus Bochum ein Jahr lang in Vollzeit zu machen. Da blieb wenig Zeit zum Bloggen.

Ich habe Leberwurstbrote und Baklava und Notizbücher gebastelt, ich habe Teekessel zertrümmert, um sie alt aussehen zu lassen, ich habe den Genickbruch einer Maus geheilt, ich habe backstage mit Pistolen geschossen. Und gleichzeitig unzählige Stücke von vorne gesehen. Welche, die genau in mein Schema passen – steampunkige Kindermärchen, surreale Episoden-hafte Stücke über Traum und Tod, Shakespeare mit Genderswap. Und welche, die ich ohne den Arbeitskontext vielleicht nie gesehen hätte – griechische Tragödien, junge Männer, die von der Liebe träumen, Parodien auf die Kleinfamilie. Ich habe kaum etwas gesehen, was mir nicht gefallen hat oder aus dem nicht irgendwas für mich hätte mitnehmen können.

Und es sind jede Menge Zeichnungen entstanden. Ich habe das Papier überwunden und bin auf Leinwände, Holzplatten, Kistendeckel und Koffer übergegangen. Es ist auf natürliche Weise, ohne Deadlines, ohne Ziel, soviel entstanden, dass es für eine Ausstellung reicht. Und die gibt es jetzt auch, zusammen mit meinem Künstlerkollegen Alex Bednarz veranstalte ich meine erste eigene von mir initiierte Ausstellung in der Gruppe Elf in Bochum.

Das Jahr geht vorbei und nach dem Sommer werde ich, wie der Großteil des Ensembles, der Intendanz und vieler Mitarbeiter, nicht mehr am Schauspielhaus sein, aber das ist eine Parallelwelt, in der ich noch nicht angekommen bin. Deshalb ist diese Ausstellung der perfekte Abschluss für mich.

Und dann ist Sommer.

Bühnen.Bilder Facebook-Veranstaltung

Gruppe Elf Ateliergemeinschaft

Neujahr 1.5.17

Ich war ein halbes Jahr im Bachelorarbeits-Loch verschwunden und bin vom Zeitgefühl her noch Ende Herbst 2016. Demnächst wird also Plätzchen gebacken und Glühwein getrunken. Neujahr war schon, und zwar in der Walpurgisnacht – mein 30ster Geburtstag war ein guter Endpunkt und Neustart.

Mein Bachelorthema: der Tod meines Vaters und die Beerdigungen in meinem Leben.. Und die Wichtigkeit, über Themen wie Tod, Sterblichkeit und Pfeifen auf dem Friedhof zu sprechen. Und so wichtig ich das Thema und den Austausch darüber auch immer noch finde: Ich hab jetzt erstmal die Backen voll. Et reicht. Wenn ein bisken Zeit ins Land gezogen ist, werde ich noch einen ausführlichen Blogbeitrag über Monty Python’s „Always look on the bright side“ auf Beerdigungen schreiben, aber jetzt ist erstma gut.

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Trotz Bachelorloch ist im letzten halben Jahr einiges zusammengekommen: ein Requisitenjob im Schauspielhaus Bochum und somit jede Menge exklusive Backstage-Einblicke (unter anderem in Monty Python’s „Spamelot“ mit diesem gewissen Lied am Ende, der Kreis schließt sich).

Und wie jedes Jahr im Januar der Vorsatz, von jetzt an jeden Tag mindestens eine Kleinigkeit zu zeichnen (es hat 8 Tage lang gehalten):

Weitere Eindrücke findet ihr auf meinem >>instagram<< Account, den ich jetzt, mit 30, endlich habe, nachdem ich herausfand, dass man sowas gar nicht über den PC macht, sondern ausschließlich über diese neumodischen schnurlosen Telefone. Weiter geht’s!