Bye Bye Bühnen.Bilder

 

Die Wände sind wieder kahl und die Bilderrahmen im Koffer verpackt. Und somit ist auch wirklich die allerallerletzte Schauspielhaus-Derniere dieser Spielzeit vorbei.

Unter anderen Umständen hätte ich geschrieben, dass das Zeichnen eine recht einsame Aufgabe ist, bei der man hauptsächlich mit seinem eigenen Kopf alleine ist, bis man dann im Rahmen einer Ausstellung seine Kopfgeburten tatsächlich einem Publikum präsentieren kann.

Auf einige Arbeiten trifft das auch in diesem Fall zu, einige Bilder müssen nach dem Skizzieren zuhause ausgearbeitet werden, aber in dieser Spielzeit war ich beim Zeichnen nicht alleine. Ich saß unzählige Male im Publikum und habe live Theaterstücke mitgezeichnet. Ich habe sofortiges Feedback von neugierigen Schauspielern bekommen. Ich war von Requisiteurinnen mit lauter tollen Tipps umgeben. Ich habe auf dem Theatervorplatz gezeichnet, der immer voller Menschen war. Es war immer ein Zeichnen, das einen sehr lebendigen und sehr vergänglichen Moment eingefangen hat, durch die sich Theaterstücke auszeichnen mit ihrer Wirkung, die auf die Länge ihrer Spielzeit begrenzt ist.

 

Und dann erst das Publikum der Ausstellung. Es waren Live-Musikantinnen da (Wir hatten was mit Björn), die nicht zuletzt deshalb so wunderbar in die Atmosphäre passten, weil sie teilweise selbst auf unseren Bildern verewigt waren. Ein Land Artist, der seinerseits in der Ausstellung gezeichnet hat, zusammen mit einem 12jährigen Zeichner, der mich in zwei Jahren überholt haben wird. Eine weißhaarige Dame verließ die Ausstellung mit den Worten, dass sie sich jetzt auch trauen will, Menschen im öffentlichen Raum zu zeichnen. Eine Frau, die seit über 20 Jahren Schauspielhaus-Abonnentin ist, ging mit den Worten: Hören Sie bloß nicht auf damit! Nichts ist schlimmer, als zuhause zu sitzen und nichts zu machen! Das sag ich meinen Freunden auch immer!

 

Und danke allen Familienmitgliedern, Freunden und Schauspielhaus-Kollegen, die da waren und die Ausstellung lebendig gemacht haben. Jede/r einzelne Besucher*in hat etwas anderes in unseren Bildern entdeckt, alle haben eigene kleine Themen mit hineingebracht – Hände zeichnen, Schreibblockadenüberwindung, das Lieblingsstück der letzten Spielzeit, die Tradition von Totenbildern,  geplante Kinderzimmer.

Ich kann gar nicht aufhören, mich bei der tollen Gruppe Elf, vor allem Daniela und Helga, zu bedanken, und bei meiner Requisite-Familie, fürs Kommen, Koffer und Kuchen und alles.

 

Ich verabschiede mich glückselig-melancholisch in die Sommerpause.
Vielen Dank an alle Gäste, Helfer und moralischen Online-Unterstützer, und bis bald!

Link-Familie:

Alex Bednarz, mein künstlerischer Mitstreiter
Wir hatten was mit Björn, unsere Vernissage-Musikantinnen
Gruppe Elf Bochum, unsere Gastgeberinnen
Schauspielhaus Bochum, wo alles begann

RESQSHIP e. V. (gemeinnütziger Verein für zivile Seenotrettung): Dort gehen die Einnahmen unserer Merchandise hin. Bitte spendet, wenn ihr könnt, und wenn nicht, sagt es weiter!

 

Bühnen.Bilder

35628492_425222774556195_1717616576254967808_o

Etwa einen Monat nach meinem letzten Blog-Eintrag hier bekam ich die Möglichkeit, meinen Job in der Requisite im Schauspielhaus Bochum ein Jahr lang in Vollzeit zu machen. Da blieb wenig Zeit zum Bloggen.

Ich habe Leberwurstbrote und Baklava und Notizbücher gebastelt, ich habe Teekessel zertrümmert, um sie alt aussehen zu lassen, ich habe den Genickbruch einer Maus geheilt, ich habe backstage mit Pistolen geschossen. Und gleichzeitig unzählige Stücke von vorne gesehen. Welche, die genau in mein Schema passen – steampunkige Kindermärchen, surreale Episoden-hafte Stücke über Traum und Tod, Shakespeare mit Genderswap. Und welche, die ich ohne den Arbeitskontext vielleicht nie gesehen hätte – griechische Tragödien, junge Männer, die von der Liebe träumen, Parodien auf die Kleinfamilie. Ich habe kaum etwas gesehen, was mir nicht gefallen hat oder aus dem nicht irgendwas für mich hätte mitnehmen können.

Und es sind jede Menge Zeichnungen entstanden. Ich habe das Papier überwunden und bin auf Leinwände, Holzplatten, Kistendeckel und Koffer übergegangen. Es ist auf natürliche Weise, ohne Deadlines, ohne Ziel, soviel entstanden, dass es für eine Ausstellung reicht. Und die gibt es jetzt auch, zusammen mit meinem Künstlerkollegen Alex Bednarz veranstalte ich meine erste eigene von mir initiierte Ausstellung in der Gruppe Elf in Bochum.

Das Jahr geht vorbei und nach dem Sommer werde ich, wie der Großteil des Ensembles, der Intendanz und vieler Mitarbeiter, nicht mehr am Schauspielhaus sein, aber das ist eine Parallelwelt, in der ich noch nicht angekommen bin. Deshalb ist diese Ausstellung der perfekte Abschluss für mich.

Und dann ist Sommer.

Bühnen.Bilder Facebook-Veranstaltung

Gruppe Elf Ateliergemeinschaft

Neujahr 1.5.17

Ich war ein halbes Jahr im Bachelorarbeits-Loch verschwunden und bin vom Zeitgefühl her noch Ende Herbst 2016. Demnächst wird also Plätzchen gebacken und Glühwein getrunken. Neujahr war schon, und zwar in der Walpurgisnacht – mein 30ster Geburtstag war ein guter Endpunkt und Neustart.

Mein Bachelorthema: der Tod meines Vaters und die Beerdigungen in meinem Leben.. Und die Wichtigkeit, über Themen wie Tod, Sterblichkeit und Pfeifen auf dem Friedhof zu sprechen. Und so wichtig ich das Thema und den Austausch darüber auch immer noch finde: Ich hab jetzt erstmal die Backen voll. Et reicht. Wenn ein bisken Zeit ins Land gezogen ist, werde ich noch einen ausführlichen Blogbeitrag über Monty Python’s „Always look on the bright side“ auf Beerdigungen schreiben, aber jetzt ist erstma gut.

ba (1)

Trotz Bachelorloch ist im letzten halben Jahr einiges zusammengekommen: ein Requisitenjob im Schauspielhaus Bochum und somit jede Menge exklusive Backstage-Einblicke (unter anderem in Monty Python’s „Spamelot“ mit diesem gewissen Lied am Ende, der Kreis schließt sich).

Und wie jedes Jahr im Januar der Vorsatz, von jetzt an jeden Tag mindestens eine Kleinigkeit zu zeichnen (es hat 8 Tage lang gehalten):

Weitere Eindrücke findet ihr auf meinem >>instagram<< Account, den ich jetzt, mit 30, endlich habe, nachdem ich herausfand, dass man sowas gar nicht über den PC macht, sondern ausschließlich über diese neumodischen schnurlosen Telefone. Weiter geht’s!

Glasgow in 10 minutes

Here are 10 minute drawings of Scottish castles. I missed drawing so much.

I didn’t take pictures of the Highlands, because there is nothing more infuriatingly sappy than photos of the Highlands. Just add a cursive Headline and a naked Highlander and you get it why photos don’t work.

So go there yourselves, instead. It’s not like they’re going anywhere, the Highlands. The kitsch disappears as soon as you see them face to face and you just want to stay there forever.

20160815_094704
It’s not, actually

I can point you to a nice Scottish/Irish Host Family who wave their Harry Potter wands while discussing European politics, imitating animal noises and swearing about the bloody English bastards. And sing 500 miles. I’ve had a fairy tale Scottish holiday but I won’t tell you anymore because you know you need to go there yourselves.

Also why don’t we have something like the Fringe festival in Germany? Let’s do it.

Ok, one photo. Because they filmed bloody Monty Python and the Holy Grail here. And Winterfell from the first episode.

 

Illustration: Unendliche Geschichten

Die Ungeduld wuchert so monströs, dass es zu einem mundgemalten Experiment gekommen ist (siehe weiter unten).
Aber irgendwann muss ich ja auch mal testen, wie lange die rechte Hand jetzt mitmacht. Die Antwort: eine postkartengroße, auch gerne bunte Kinderbuchillustration ist drin, etwa eine Stunde Arbeit am Tag. Die neue Technik ist, den Stift mit Ring- und Zeigefinger zu führen. So muss ich mit dem Daumen keinen Druck ausüben.


Das freut Hand und Vera und deshalb wurde begeistert die nächsten Tage weiter so gemacht, und man merkt, was da alles im Kopf noch schläft – Geister und Meerjungfrauen und Hände, die aus dem Boden wachsen und zu Bäumen werden…
Aber nach vier Tagen muss die Hand erstmal wieder zurück ins Eisfach – zusammen mit der linken Hand, die langsam checkt, dass 6 Monate doppelter ungewohnter Aufwand ganz schön anstrengend ist. Also erstmal Pause, soll ja warm werden…
Die Zeit verbring ich jetzt erstmal mit meinen Spezialfunden aus dem Grabbelkistenregal vom Herner Trinkgut. Das Schicksal will es, dass Die Unendliche Geschichte immer wieder zu mir zurückkehrt und ich noch nie dafür zahlen musste…

Illustration: Mit links mach ich das.

Seit 6 Monaten habe ich eine Sehnenscheidenentzündung, der ich u.a. die Abmeldung meiner Bachelorarbeit verdanke. Ich sehe das positiv, wirklich. Es war noch nie einfacher, ohne schlechtes Gewissen endlos Serien zu bingewatchen.

Dinge, die ich sonst immer mache, aber jetzt nicht kann: zeichnen, malen, schreiben, Gitarre spielen. Auch: rudern.

Dinge, die ich jetzt kann: mit links zeichnen. Ich muss mich jetzt sogar zurückhalten, damit sie sich auch mal ausruhen kann.

Linker Bücherwurm

Ich sehe mittlerweile meine Hände als eigenständige Kreaturen an. Nicht „ich“, sondern „ich und meine Hand und meine andere Hand“. Die linke macht, die rechte stöhnt: „Booh, ist die langsam, lass mich das mal machen“, und ich so, „Schnauze, du bist kaputt, du hast garnichts zu melden, die muss das doch lernen,“ und die linke so: „Laaaangsam…und dann in diiiie Richtung…“ (vergleiche Firefox vs Internet Explorer).

Ich tippe das übrigens mit 2 verbundenen Händen und die Zeigefinger gucken raus und tippen das. Sie sehen aus wie 2 dicke schwarze Pelztierchen mit Fühlern. Ridiculous.

Es fühlt sich noch immer an, als würde die Info aus meinem Gehirn eine Sekunde zu spät in meiner Hand ankommen. Aber das Ergebnis gefällt mir. Es macht mich sogar richtig stolz, dass meine linke Hand in 6 Monaten so weit gekommen ist. Ich meine: oh, Mann.

Dinge, auf die ich mich freue, wenn Firefox wieder läuft:

Ein Graphic Novel. Noch ein Graphic Novel. Ein illustriertes Kindheitstraumtagebuch. Ein Linolschnitt. Eine neue 1×1-Meter-Organ-Leinwand. Ein illustrierter Adventskalender. Ein Wald-Comic mit Observatorium. Das wird so gut.

Aber jetzt: Vorhang auf für die linke Hand.

So fing es an im Januar:

Ich mag den Stil gern, aber nichts davon war so geplant, wie ich es haben wollte. Und ein Stift war bisher das einzige, was ich wirklich kontrollieren konnte. Und

hier merkt man von der Stimmung her schon ein bisschen die Frustration. Aber

dann hab ich angefangen, bei jedem Frusterationsanzeichen ein Bild zu machnen und

 

 

et wird.

Bücherschlange

mein Hirn zerfressen von links-autonomen Bücherwürmern. Et wird.

Bücherwurminvasion

Ausstellung: Kunst ist tot, es liebe die linke Hand

gestern war ich mal gucken beim Illustratoren-Festival in Köln. Wer in der Nähe wohnt und auf bunte Bilder, Geschichten, Comics und aber auch sozialkritische Auseinandersetzung steht, sollte unbedingt heute noch dort vorbeigehen. Ich bin sehr wehmütig und sehr motiviert geworden und will jetzt noch mehr zeichnen als sowieso schon.

Die Quintessenz der gehörten Vorträge lautet:

DENK NICHT SOVIEL.
Mach dein Ding.
Versuch nicht, auf Teufel komm raus gut zu zeichnen oder schön zu sein oder einen Stil zu erreichen –
sondern geh spielen, geh denken, guck dir an, was draußen los ist, pflanz ein Haus, bau nen Baum.
Pump die Kreativität in dich hinein und nimm erst dann einen Stift in die Hand.
Am besten hat mir gefallen: es ist leicht, mit Vektoren perfekt zu sein.
Nimm einen analogen Stift in die Hand.
Oder Kreide, oder Kaffee, oder Schlamm.

Und natürlich ist Illustration Kunst.

Wenn Verlage und Auftraggeber etwas von dir verlangen, das nur du kannst, deine Handschrift trägt, das gut aussehen muss und einen Inhalt vermitteln soll, einen Funken auslösen soll beim Betrachter, dann ist das eine Besonderheit, ein Alleinstellungsmerkmal, es hat ästhetischen und finanziellen Wert, es gefällt einigen und anderen nicht, es kann für sich stehen oder inspiriert zu mehr, mehr oder weniger kann man auch über den Begriff „Kunst“ sagen.

Man muss schon irgendwie dran glauben. Kunst ist tot, es lebe die Kunst.

Meine rechte Hand hat wohl doch keine Sehnenscheidenentzündung, was ein klügerer Kopf von diesem tollen Röntgenbild ableiten konnte und was ich erstmal aus wissenschaftlichen Gründen mit meinem Handy vom Bildschirm abfotografiert habe.
Bald gibt es bessere Bilder straight from the MRT.
Vielleicht wächst meine rechte Hand auch noch und wird zum Hulk.
Es bleibt spannend.
Derweil muss die linke Hand übernehmen und optimieren.

Außerdem aufgeschnappt beim Festival: #paintmuseum

Im Rahmen des Internationalen Museumstags am 22.05. wird dazu aufgerufen, unseren Museumsalltag zu dokumentieren – und zwar nicht nur digital, sondern auch zeichnerisch, malerisch, wörtlerisch, wie wir lustig sind.
Das ganze kann dann unter dem Hashtag #paintmuseum geteilt werden.
Ich stelle es mir sehr reizvoll vor, zum Aktzeichnen ins Museum zu gehen. Überhaupt nimmt man sich beim Zeichnen sehr viel mehr Zeit, sich mit dem Objekt oder Bild auseinanderzusetzen, als beim bloßen Abfotografieren.

Die heutigen off-topic Abschlussworte lauten:

Keine platten AFD-Nazi-Vergleiche mehr. Lest lieber das Parteiprogramm, um eure Familie mit den tatsächlichen Inhalten zu erschrecken.
Frohe Ostern!