Seebrücke: Notstand der Menschlichkeit

Wandermahnwache der Seebrücke Bochum am 6.7.2019 zum „Notstand der Menschlichkeit“, ursprünglich geplant als Aufruf zur mittlerweile befreiten Kapitänin Carola Rackete. Vom 16jährigen Klima-Aktivisten zu Omas gegen Rechts: Wir zeigen uns solidarisch gegenüber Seenotrettern und Geflüchteten.

AUSSTELLUNG: Baum und Zeit

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Ob wir in Städten oder auf dem Land aufwachsen, begleiten uns Wälder als Spielorte von Märchen, als gefährliche, wundersame Grenzwelten jenseits der Zivilisation. Gleichzeitig sind Wälder auch Zufluchtsorte für uns geworden, die Ruhe und Entspannung, Dauer und Beständigkeit bedeuten.
Illustratorin Vera Keitmeier, Holzbildhauerin Sonja Kreutzer und Kunstpädagogin Dagmar Reichel haben sich zusammengetan, um dem Baum in ihrer persönlichen Handschrift zu huldigen.
Wir möchten euch zur Ausstellungseröffnung am 12. Juli ins wunderbare Atelierhaus der Gruppe Elf einladen und freuen uns über alle, die uns in den darauffolgenden zwei Juliwochen besuchen kommen!

VERNISSAGE Freitag, 12. Juli, 18:00 Uhr, Gruppe Elf Bochum e.V., Velsstr. 19
AUSSTELLUNG vom 12. – 28. Juli 2019

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch 14-17 Uhr
Donnerstag 11-17 Uhr
Samstag 14-18 Uhr
Sonntag 14-18 Uhr
und gerne nach Vereinbarung!
An den Wochenenden ist mindestens eine Künstlerin anwesend.

KONTAKT
Vera Keitmeier: v.keitmeier@gmx.de
Sonja Kreutzer: mail@soniwood.com | www.soniwood.com
Dagmar Reichel: info@dagmarreichel.de | www.dagmarreichel.de

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April-Mai 2019: Zeichnen For Future

Keine Zeit mehr zum Bloggen, der Kinder wegen.
Es war noch einiges mehr in den letzten 2 Monaten, aber manchmal muss man sich einfach auf das wichtigste besinnen. Zum Beispiel auf den 26. Mai (ihr wisst, was da ist), und es zeigt sich bereits jetzt, das diese junge Bewegung einen wahnsinnigen Einfluss darauf hat. Was könnte ermutigender sein?

Notiz von der Karfreitags-Mahnwache am 19. April:

Heute haben sich Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und auch alte Menschen über 30 in Kleingruppen vor dem Bochumer Bahnhof zu einer Mahnwache zusammengesetzt und über Umweltschutz, Tierschutz, Rassismus, Unterrichtsgestaltung, ihre Utopie von der Zukunft und den Umgang mit wütenden Bürgern gesprochen.
Lieblingsbild, das ich heute nicht gezeichnet habe: eine ältere Dame mit Eis, die schreit „ICH UNTERSTÜTZE KEINE SCHULSCHWÄNZER“ und außerdem müsse sie als Rentnerin 5 Tage die Woche arbeiten, während ein Mahnwachenteilnehmer daneben in aller Seelenruhe einen Salatkopf isst.
Dass diese Wut sich systematisch nach unten, statt nach oben richtet, ist mir unbegreiflich. Eigentlich müsste sie mit uns bei der Mahnwache stehen.

Februar 2019 – Zwischen Zeit

Diese Rückblicke sind wirklich praktisch, wenn ich mich wieder frage, wo eigentlich die letzten zwei Monate hin sind. Das Jahr des Schweins, Verschwörungstheorien, solidarische Städte, Typografie, Schussproben, Premieren und Recherchearbeit liefert zwar nicht viele vorzeigbare Bildergebnisse, trotzdem frisst sie jede Menge Zeit.

Ich habe außerdem das überregionale Seebrücke-Vernetzungstreffen in Bochum zeichnerisch begleitet. Dabei waren Vertreter zahlreicher Seebrücken der Umgebung, es wurden Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsame Aktionen geplant. Definitiv Mut machend zu sehen, dass man nicht alleine ist und dass es auch über Demonstrationen hinaus Handlungsmöglichkeiten gibt.

Es ging unter anderem auch darum, geflüchtete Menschen mehr in die Arbeit mit einzubeziehen, um nicht immer als Stellvertreter für sie zu sprechen, sondern sie selbst zu Wort kommen zu lassen. So wichtig es ist, dass sie sich ebenfalls in ehrenamtlichen Gruppen engagieren, so sehr haftet ihnen auch das Stigma des „Flüchtling“ an, das sie nicht mehr loswerden.

Es wird also auch Teil der Arbeit bleiben, unseren eigenen Umgang mit von Flucht und Rassismus betroffenen Menschen zu reflektieren.

Endprobenwochen im Theater sind immer sehr chaotisch und kurzweilig, und für Eugen Onegin am Musiktheater Gelsenkirchen durfte ich einmal mehr Bücher gestalten. Und für das Duell nach der Pause den Schuss abfeuern. Das ist immer ein surreales Erlebnis. Einerseits ist es während des Stückes ein Routine-Einsatz für die Requisite, so wie Gläser annehmen oder Konfetti werfen. Andererseits ist es merkwürdig, so ein potentiell gefährliches Objekt einfach ‚in Spiel‘ zu verwenden. Denn es wird ein richtiger Revolver mit Platzpatronen eingesetzt. Ich glaube, es ist ganz gut, dass ich die Arbeit damit nicht als selbstverständlich sehe.

Und ich habe das Instagram-Bildformat verlassen und mich an komplexere Bilder und Geschichten gewagt. Jetzt muss ich nur aushalten, dass Dinge nun länger brauchen, um fertig zu werden. Aber eine Art Deadline gibt es schon, denn im Juli steht eine Ausstellung an …

Kontakt Seebrücke mit Übersicht der Seebrücke-Städte: https://seebruecke.org/lokalgruppen/

Kontakt Seebrücke Bochum:

Lokalgruppe der Seebrücke
Instagram
Facebook

Dezember/Januar 2019 – Pause im Quadrat

Im Januar habe ich versucht, auf die Sozialen Medien zu verzichten, die ich am meisten nutze: Instagram und Facebook. Dass ich zwei dicke Bücher in der Zeit gelesen habe, mag mit am Internetverzicht liegen, spricht aber vor allem für die Qualität der Bücher.

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Was haben wir gelernt?

Es ist ja nicht so, als hätte ich es nicht geahnt, aber erst der Verzicht hat gezeigt, wie sehr ich mich an ein direktes Feedback zu meinen Bilder gewöhnt habe. Wie befriedigend ein kleines „Like“ ist und wie unbewusst ich darauf warte, dass das nächste kommt.

Das Zeichnen findet in erster Linie im stillen Kämmerlein – oder im Stammcafé – statt, in erster Linie aber allein. Und da meine Zeit fürs private Zeichnen rar gesät ist, ist Feedback jeder Art eine große Motivation. Gerade eben habe ich meine Ergebnisse vom Januar gepostet und freue mich schon wieder über anonyme Aufmerksamkeit.

Natürlich war ich mir dieses Faktors auch schon vorher bewusst. Wir nutzen Soziale Medien, um gesehen zu werden, um uns auszutauschen, und ich habe fantastische Künstler über Das Böse Internet gefunden. Aber es beeinflusst durchaus auch die Art, wie ich zeichne. Die Instagrammifikation des Formats: Ich freue mich wahnsinnig, dass ich seit Oktober regelmäßig an kleinen Kurzgeschichten arbeite – und mein Skizzenbuch hat ein quadratisches Format, perfekt zum Einzelbilder-auf-Instagram-posten.

Es ist definitiv spannend, die Vorgaben eines digitalen Mediums zu nutzen, um eine bestimmte Art des Geschichtenerzählens zu entwickeln. Ich muss aber aufpassen, dass das Format nicht zu sehr den Inhalt vorgibt. Dadurch denke ich nämlich viel mehr über den Inhalt und den Blickfang eines einzelnen Bildes nach und lasse möglicherweise die Geschichte im Gesamten außer Acht.

Ich finde das Format weiterhin spannend und werde damit weiter experimentieren, aber nachdem ich nun einen Einstieg in das Kurzgeschichtenentwickeln gefunden habe, werde ich als nächstes versuchen, Bilder ruhen zu lassen, sie eventuell zu verändern und erst ein Storyboard zu entwickeln, bevor es an konkrete Bildumsetzungen geht.
Da laufe ich auf jeden Fall wieder Gefahr, Sachen unbeendet zu lassen – umfassende Geschichten zu planen ist anstrengender als Einzeleindrücke umzusetzen – aber vielleicht finde ich einen Mittelweg. On- und offline.

 

November 2018. Brücken

November: Viel passiert, was immer noch passiert.

Ich unterstütze die Bochumer Seebrücke, indem ich unsere offizielle Instagram-Seite betreue: www.instagram.com/seebrueckebochum

Eine gute Art, um sich mit Seebrücke-Organisationen in ganz Deutschland zu vernetzen. Wir posten dort regelmäßig Termine und Fotos und Infos unserer Treffen.

Ich habe angefangen, mich für die Seebrücke zu engagieren, als in den Medien begonnen wurde, zu debattieren, ob man ertrinkende Menschen überhaupt retten sollte. Die Antwort ist Ja. Egal, wie die Umstände sind, egal, wer rettet, egal, ob es illegal ist, wer rettet. Unsere gemeinsame menschliche Grundlage muss sein, einen Menschen nicht sterben zu lassen.

Ich habe einen mittelmäßig bezahlten Vollzeitjob, so wie viele, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren, und mir geht es so gut damit, dass ich einen Teil meiner Energie dazu verwenden will, Menschen zu helfen, denen es so scheiße geht, dass sie alles zurücklassen und sich auf lebensgefährliche Fluchtwege begeben. Was danach passiert, was mit ihnen passieren soll, wie die Fluchtursachen bekämpft werden sollen – ich weiß es nicht, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, diese Probleme zu lösen. Ich glaube aber, dass man in so einer Situation Stellung beziehen muss. Meine Haltung ist so simpel wie grundsätzlich. Nicht sterben lassen.

Jetzt hab ich doch den ein oder anderen Satz mehr dazu gesagt. Kommt rum, es gibt mittlerweile Seebrücken in Duisburg, Dortmund, Bochum, wir in Bochum haben Anträge in Ratssitzungen eingebracht, wir werden ab nächstem Jahr ein regelmäßiges Treffen haben. Jede/r tut, was und soviel ihm/ihr möglich ist.

Facebook-Seite: www.facebook.com/seebrueckebochum

Was noch:

Ich hatte meine erste Premiere am Musiktheater Gelsenkirchen. Also na gut, ich war pünktlich zur Premiere krank, aber mein Pop Up Märchenbuch und die Mary Poppins Tasche hatten Premiere.

Und nachdem ich im Oktober jeden Tag gezeichnet habe, habe ich im November einfach weitergemacht. Ich will es nicht verhexen, aber ich habe schon wieder was beendet, und das mach ich jetzt, glaube ich, einfach öfter.

Mehr zu sehen hier: www.instagram.com/mumpitzhausen

Oktober 2018. Ein Ende, ein Anfang

Es war ein spannender Monat, für mich ganz geprägt durch das Engagement der Seebrücke Bochum, und auf der anderen Seite das Fertigstellen eines persönlichen Projekts. Ich habe jeden Tag gezeichnet und der Flow hat noch nicht geendet.

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Im Oktober bin zu meinem ersten Seebrücke-Planungstreffen in Bochum gegangen.

Die Aktion Seebrücke ist in vielen Städten aktiv und wird von Zivilpersonen organisiert, die sich solidarisch zeigen mit den privaten Seenotrettern sowie Menschen auf der Flucht. In diesem Rahmen werden Demonstrationen, Aktionstage und das Herantragen des Anliegens an die Politik geplant und durchgeführt.

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Die Bochumer Truppe ist sehr engagiert und sympathisch und freut sich immer über Neuzugänge! Gerade, wenn man keine Ahnung hat, wie man sich einbringen kann, sollte man hingegen, es sind bereits Profis involviert, die mit der Planung solcher Solidaritätsaktionen vertraut sind. Helfende Hände können unterstützen beim Fahren, Sach- oder Geldspenden sammeln, Aktionen vorbereiten (durch Basteln, Technik bereitstellen/betreuen), Pressematerial schreiben… Ich selbst versorge die Gruppe von jetzt an mit Bildmaterial. Ein guter nächster Schritt, wenn man auf der Demo am Ende dasteht und auch fragt: Und jetzt?

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Die Seebrücke Seite findet ihr hier: www.seebrücke.org

Und die Bochumer Adresse hier: www.bochumer-buendnis.de/seebruecke

Das nächste Bochumer Treffen ist am 8. November um 19:00 im Botopia.Raum9, Griesenbruchstraße 9.

Es gibt wie gesagt auch viele andere Städte, die eine lokale Seebrücke- Abteilung haben. Die meisten von ihnen sind auch mit Gruppen und Seiten auf Facebook vertreten. Kommt vorbei!

Es war auch Inktober – ein Internetprojekt, bei dem jährlich im Oktober zu täglich wechselnden Begriffen gezeichnet wird. Ich habe diese Tradition letztes Jahr in den Leftober umgewandelt, um meine chronisch mit Tendinitis kämpfende rechte Hand zu schonen und meine linke Hand zu trainieren. Dieses Jahr habe ich das wieder gemacht, diesmal mit dem Plan, eine zusammenhängenden Geschichte zu erzählen.

Also habe ich jetzt eine fertige Geschichte.

Ich habe gar keine Worte, um die Wichtigkeit dieser Tatsache auszudrücken. Es ist fast ein Jahrzehnt vergangen, in dem ich, aus Gründen, nicht erzählen konnte. Ich wollte das Jahrzehnt nicht verstreichen lassen und es hat geklappt. Die Geschichte ist nicht perfekt, nicht durchdacht, aber sie Hauptsache ist, das sie fertig ist, dass ich hab etwas beendet habe.

Das gesamte Bildmaterial findet ihr auf meiner Instagram-Seite.

Das nächste Großprojekt: Ein richtiges Buch, mit Seiten aus Papier (tote Bäume!) zum Anfassen. Sein Name ist: „A Forest

September 2018. Bücher, Blumen, Bäume

Der September ging schnell vorbei für mich – ich habe ihn hauptsächlich in der Requisite des Musiktheaters Gelsenkirchen verbracht, wo ich eine Weiterbildung mache: In zwei Jahren bin ich dann ganz offiziell auch auf dem Papier Requisiteurin.

Zu Beginn meines Volontariats im Musiktheater habe ich auch mir auch direkt das Märchenbuch geschnappt, das wir selber herstellen. Es soll als Pop Up Element eine erblühende und eine verdorrte Blume enthalten. Den Blindtext für das Buch habe ich im Kalligraphie-Wahn direkt mit dazu erfunden.

Als Requisiteurin muss man sich klar darüber sein, dass die Arbeit eines Monats nur von den Schauspielern auf der Bühne gesehen wird – oder letzten Endes vielleicht gar nicht im Stück auftaucht. Aber das Endprodukt ist nur eine Seite der Medaille. Ich bin ganz für den Herstellungsprozess und tauche da gerade total drin ein, und vielleicht ist es ja irgendwann auch noch für etwas anderes gut.

PAPPEL-LA-PAPP

Außerdem war im September die wunderbare PAPPEL-LA-PAPP-Ausstellung bei Soniwood. Sonja Kreutzer hat sich und 12 Künstler*innen mit Pappelscheiben zum künstlerischen Bearbeiten ausgestattet. Die Gemeinsamkeit aller Scheiben ist wohl, dass alle Künstler von Beginn an sehr viel Respekt vor den Scheiben hatten und sie bereits in roher Form als Kunstwerk wahrgenommen haben. Umso schöner ist dir Vielfalt, die daraus entstanden ist, und wie die Baumringe, die Holzstruktur, der natürliche Riss und die Form mit in die Werke eingeflossen sind.

Ich hatte ein halbes Jahr lang zuviel Respekt, um die Scheibe anzurühren.
Idealerweise hat man erst eine Idee und sucht sich dann das Material, um sie umzusetzen. In diesem Fall trat die Baumscheibe zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben, als ich als Requisiteurin im Schauspielhaus Bochum das Märchen „Grimmsklang“ betreuen durfte. Dafür haben auch die Mitglieder des Jungen Schauspielhauses mit Grundschülern über Märchen unterhalten und daraus ein Episodenstück aus diversen Grimm’schen Märchen entwickelt.

Die Kinder fanden es nämlich gar nicht so toll, dass Prinzessinnen immer lieb und brav sein und gerettet werden müssen, dass alte weise Frauen als Hexen verbrannt werden und Wölfe einen so schlechten Ruf haben. Märchen wachsen mit der Zeit, verändern sich mit ihren Rezipienten, werden überschrieben und angepasst und weitergegeben. Welch passenderes, symbolischer es Material hätte ich nutzen können, um das Märchen von „Gevatter Tod“ in die Jahresringe eines Baumes einzuschreiben.

 

Fast vergessen hätte ich, dass die #WirSindMehr-Demo ja auch im September war. Wenn ich es schaffe, werde ich am zum nächsten Treffen der Seebrücke Bochum gehen, um herauszufinden, was man noch tun kann, außer bunte Bilder und flauschige Hashtags zu verbreiten. Wenn ich nicht kann, müsst ihr für mich gehen:

Di, 16. Oktober, 19 Uhr, Botopia, Raum 9, Griesenbruchstr. 9, 44793 Bochum (Facebook-Veranstaltung)