Illustration: Unendliche Geschichten

Die Ungeduld wuchert so monströs, dass es zu einem mundgemalten Experiment gekommen ist (siehe weiter unten).
Aber irgendwann muss ich ja auch mal testen, wie lange die rechte Hand jetzt mitmacht. Die Antwort: eine postkartengroße, auch gerne bunte Kinderbuchillustration ist drin, etwa eine Stunde Arbeit am Tag. Die neue Technik ist, den Stift mit Ring- und Zeigefinger zu führen. So muss ich mit dem Daumen keinen Druck ausüben.


Das freut Hand und Vera und deshalb wurde begeistert die nächsten Tage weiter so gemacht, und man merkt, was da alles im Kopf noch schläft – Geister und Meerjungfrauen und Hände, die aus dem Boden wachsen und zu Bäumen werden…
Aber nach vier Tagen muss die Hand erstmal wieder zurück ins Eisfach – zusammen mit der linken Hand, die langsam checkt, dass 6 Monate doppelter ungewohnter Aufwand ganz schön anstrengend ist. Also erstmal Pause, soll ja warm werden…
Die Zeit verbring ich jetzt erstmal mit meinen Spezialfunden aus dem Grabbelkistenregal vom Herner Trinkgut. Das Schicksal will es, dass Die Unendliche Geschichte immer wieder zu mir zurückkehrt und ich noch nie dafür zahlen musste…

Illustration: Mit links mach ich das.

Seit 6 Monaten habe ich eine Sehnenscheidenentzündung, der ich u.a. die Abmeldung meiner Bachelorarbeit verdanke. Ich sehe das positiv, wirklich. Es war noch nie einfacher, ohne schlechtes Gewissen endlos Serien zu bingewatchen.

Dinge, die ich sonst immer mache, aber jetzt nicht kann: zeichnen, malen, schreiben, Gitarre spielen. Auch: rudern.

Dinge, die ich jetzt kann: mit links zeichnen. Ich muss mich jetzt sogar zurückhalten, damit sie sich auch mal ausruhen kann.

Linker Bücherwurm

Ich sehe mittlerweile meine Hände als eigenständige Kreaturen an. Nicht „ich“, sondern „ich und meine Hand und meine andere Hand“. Die linke macht, die rechte stöhnt: „Booh, ist die langsam, lass mich das mal machen“, und ich so, „Schnauze, du bist kaputt, du hast garnichts zu melden, die muss das doch lernen,“ und die linke so: „Laaaangsam…und dann in diiiie Richtung…“ (vergleiche Firefox vs Internet Explorer).

Ich tippe das übrigens mit 2 verbundenen Händen und die Zeigefinger gucken raus und tippen das. Sie sehen aus wie 2 dicke schwarze Pelztierchen mit Fühlern. Ridiculous.

Es fühlt sich noch immer an, als würde die Info aus meinem Gehirn eine Sekunde zu spät in meiner Hand ankommen. Aber das Ergebnis gefällt mir. Es macht mich sogar richtig stolz, dass meine linke Hand in 6 Monaten so weit gekommen ist. Ich meine: oh, Mann.

Dinge, auf die ich mich freue, wenn Firefox wieder läuft:

Ein Graphic Novel. Noch ein Graphic Novel. Ein illustriertes Kindheitstraumtagebuch. Ein Linolschnitt. Eine neue 1×1-Meter-Organ-Leinwand. Ein illustrierter Adventskalender. Ein Wald-Comic mit Observatorium. Das wird so gut.

Aber jetzt: Vorhang auf für die linke Hand.

So fing es an im Januar:

Ich mag den Stil gern, aber nichts davon war so geplant, wie ich es haben wollte. Und ein Stift war bisher das einzige, was ich wirklich kontrollieren konnte. Und

hier merkt man von der Stimmung her schon ein bisschen die Frustration. Aber

dann hab ich angefangen, bei jedem Frusterationsanzeichen ein Bild zu machnen und

 

 

et wird.

Bücherschlange

mein Hirn zerfressen von links-autonomen Bücherwürmern. Et wird.

Bücherwurminvasion

Ausstellung: Tausche Lunge gegen Baum

Erst kurzes Update, danach ein langes:
Ich habe meine Portfolio-Ordner frisch bestückt!
Es gibt jetzt mehr in „Illustration“, „What’s in your box“ und einen komplett neuen „Character Design“-Ordner…und bald gibt es auch was mit links. Ich nehme mir die Lehre aus der Ausstellung zu Herzen und haue jetzt einfach alles raus.

Nun zum langen, baumigen:

Tausche Lunge gegen Baum!

Die besten Kunden auf Kunstausstellungen sind andere Kunstausstellende.

Man sieht so viele schöne Sachen, auf die man nie gekommen wäre, oder die man selbst nicht machen kann, weil man zum Beispiel nicht in einer Baumschule aufgewachsen ist und mit einer Kettensäge hauptsächlich sich selber fällen würde.

Wie man vor allem in meinem Anatomie-Ordner sehen kann, mag ich Bäume.

Sonja habe ich bei der Ausstellung Kurz vor Kunst kennengelernt und auch sie mag Bäume und stellt fantastische Sachen mit ihnen an: kleine praktische aufstellbare Skulpturen fürs Wohnzimmer – oder riesige Baumscheiben, mit jedem Jahresring akribisch nachgezeichnet und mit Aquarellstiften ausgemalt. Vor manchen Dingen bleibe ich nicht lange stehen, weil ich mir diese aus Platz- und/oder Finanzgründen einfach nicht leisten kann.

 


Sonja und ich haben getauscht. Ich habe meine Lunge für eine wunderschöne riesige Baumscheibe mit grauen und blauen Jahresringen getauscht. An einem Samstagmorgen bin ich aus dem sonnigheißen Ruhrgebiet ins nebligverregnete Korschenbroich gefahren, um meine Lunge abzugeben und Sonjas Baum mit nach Hause zu nehmen.  Besser gesagt: meine Mutter hat ihn adoptiert, den Baum.
Bis ich keine Künstlerbudendachbodenwohnung mehr habe, sondern eine, in der man einen Baum aufhängen kann.

Ich habe die Jahresringe gezählt und komme auf eine Zahl, die für mich persönlich sogar bedeutsam ist und deshalb nicht ins Internet gehört, aber es war einfach Schicksal.

Bei meinen Baumorganleinwänden habe ich bisher immer an ein gesundheitliches Umfeld, Krankenhäuser, Arztpraxen und so etwas gedacht. Dass die Liebe von der Baumseite kommt, damit hab ich nicht gerechnet. Die Lunge hängt jetzt mit anderen Bäumen auf einem Baumschulenbauernhofgelände und bekommt so ein ganz neues Publikum.

Ein irrer, toller, überraschender Tausch, über den ich mich sehr freue!

Schaut euch Sonjas Kunst hier an!